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cineMAKK

Filmvorführungen an jedem 1. Donnerstag im Monat (Langer Donnerstag/KölnTag). Das Museum ist bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Ausstellungen ist für Kölner*innen frei und für Nicht-Kölner*innen ab 17 Uhr ermäßigt (außer an Feiertagen).

Eintritt jeweils 6 €, nur Abendkasse, keine Reservierungen.
In Zusammenarbeit mit der Kino Gesellschaft Köln.

Die 2G-Regelung (genesen oder geimpft) ist für Veranstaltungen und den Museumsbesuch verbindlich.

Donnerstag, 6. Januar 2022, 19 Uhr

DAIDO MORIYAMA - THE PAST IS ALWAYS NEW, THE FUTURE IS ALWAYS NOSTALGIC

Japan 2021 | 108 Minuten | Dokumentarfilm | OVdtU

Die Vergangenheit ist immer neu, die Zukunft ist immer nostalgisch. Der Fotograf Daido Moriyama, 81, ist immer noch als Künstler tätig. Er ist wahrscheinlich die prominenteste und letzte charismatische Figur in der Welt der Fotografie. Er erhielt weltweit zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Infinity Award für sein Lebenswerk vom Internationalen Zentrum für Fotografie in New York (2012). In 2019 wurde er mit dem Internationalen Preis für Fotografie der Hasselblad Foundation ausgezeichnet. Daido Moriyama transzendiert nonchalant Kunst, Mode und Design. Dieses intime Portrait begleitet zwei Männer, ein Graphiker und ein Verleger, über ein Jahr lang, die sich zur Aufgabe gemacht haben den Schaffensprozess Moriyamas einzufangen. Am Ende entsteht ein Bildband.

Donnerstag, 3. Februar 2022, 19 Uhr

monobloc 

D 2021 • 90‘ • FSK frei o.A 
Der Monobloc ist das meistverkaufte Möbelstück aller Zeiten. Weltweit soll es eine Milliarde Exemplare des stapelbaren, in Deutschland oft weißen Plastikstuhls geben. Für die einen bedroht er den guten Geschmack und ist eine enorme Gefahr für die Umwelt, für die anderen ist er der einzig erschwingliche Stuhl überhaupt.

Grimme-Preisträger Hauke Wendler folgt den vielfältigen Spuren des Monoblocs von Europa über Nordamerika und die Slums in Brasilien bis in die Megastädte Indiens und die Savanne Ugandas. Er trifft Menschen, deren Leben vom Plastikstuhl geprägt sind und stellt dabei immer wieder die kühne Frage: Was braucht man eigentlich, um glücklich zu sein? Eine globalisierungskritische Objektgeschichte zwischen Funktionalität und Schönheit, Kapitalismus und Teilhabe, Konsum und Recycling.

Hintergrund:

„Monobloc“-Plastikstühle bestehen fast ausschließlich aus Polypropylen, einem weit verbreiteten Kunststoff, aus dem auch Joghurtbecher, Flaschendeckel oder Fahrradhelme gemacht werden. Polypropylen wird aus Erdöl hergestellt, lässt sich aber vergleichsweise gut recyceln. Erst mit der Erfindung des Polypropylen 1954 war es möglich, Stühle zu produzieren, die stabil und trotzdem extrem günstig sind. Darauf beruht der weltweite Siegeszug des Monobloc.
Einer der berühmtesten Vorgänger des Monobloc ist der Panton Chair. Ab 1958 veröffentlichte der Däne Verner Panton (1926-1998) mehrere Entwürfe des Designklassikers, gemeinsam mit der Firma Vitra, mit der er eng zusammenarbeitete. 1964 präsentierte der deutsche Architekt und Designer Helmut Bätzner (1928-2010) den Bofinger-Stuhl. Im Gegensatz zum Panton Chair ließ er sich stapeln und wurde aus Polyester gepresst. Das dauerte fünf Minuten – pro Stuhl. 1961 stellte Vico Magistretti (1920-2006) den Stuhl Selene vor. Von dem Italiener ist überliefert, dass er die Billigstühle aus dem Baumarkt als „vulgär“ ablehnte.
Erfunden wurde der Monobloc schließlich von Henry Massonnet (1922-2005). 1948 gründete er die „Societé de Transformation des Matières Plastiques“ (STAMP). 1974 erhielt er einen „Oscar du Meuble“ für seinen Monobloc, der revolutionär war und praktisch zugleich. Anfangs war der Stuhl als Designobjekt für gehobene Käuferschichten konzipiert. 300 Francs kostete ein „Fauteuil 300“, was 46 Euro entspricht, aber damals viel mehr wert war.
„Wenn man sich den ersten Monobloc von Massonnet ansieht, merkt man, dass der Hersteller versucht hat, diesem Stuhl einen Wert zu schenken. Massonnet wollte mit den neuen Kunststoff¬technologien damals ein Lifestyle-Objekt schaffen“, sagt Heng Zhi vom Vitra Design Museum, die auch eine Monobloc-Ausstellung kuratiert hat. „Heute geht’s nur noch um Effizienz. Da wird gespart ohne Ende und wenn die Materialstärke nicht mehr reduziert werden kann, macht man irgendwelche Aussparungen in die Rückenlehne. (…) Der Monobloc spiegelt die Sonnen- und die Schattenseiten unserer Konsumgesellschaft wider. Auf der einen Seite steht er an der Spitze der Rationalisierung. Andererseits muss man sich fragen: Wohin soll die ganze Rationalisierung und Effizienz unsere Gesellschaft noch führen?“
Das ist der Kern der Monobloc-Debatte: Die einen sagen, die Welt brauche den billigen Monobloc und belegen das mit Milliarden verkaufter Exemplare. Die anderen behaupten, es müsse bessere Alternativen geben. Mateo Kries, der Direktor des Vitra Design Museum, drückt es so aus: „Dieser Stuhl stellt immer wieder die uralte Frage neu: Welche Rolle spielt das Kriterium des Preises? Wenn ich so ein billiges Objekt mache, inwieweit darf ich Abstriche bei der Qualität in Kauf nehmen, aber dafür können ihn sich ganz viele Leute leisten?“
Viele Experten bezeichnen den Stuhl in diesem Spannungsfeld als „demokratisches Produkt“. Seine Herstellung ist einfach und kostet wenig. Bestenfalls arbeiten die Maschinen so präzise, dass am fertigen Stuhl nichts nachgebessert werden muss. Das spart Personalkosten und macht europäische Unternehmen konkurrenzfähig. Denn auch in Billiglohnländern muss man teure Maschinen einsetzen. Die Herstellung eines Monobloc dauert nur 50 bis 55 Sekunden. Das Polypropylen wird auf 220 Grad erhitzt und die flüssige Masse in eine Gussform gespritzt. Dann wird die Form mit Wasser abgekühlt. Wenn sie sich öffnet, ist der Monobloc fertig. Alle 50 bis 55 Sekunden zieht der Roboterarm einen fertigen Monobloc aus der Kunststoffspritzgießmaschine, so der vollständige Name. Macht in der Stunde mindestens 65 Stühle und am Tag gut 1.500 – pro Maschine.
Die Bedeutung des Monobloc im Leben der Menschen ist heute so vielfältig wie nie zuvor: Er hat Industriellenfamilien reich gemacht, ist in weiten Teilen der Welt das einzig erschwingliche Möbelstück überhaupt, bietet die Basis für den „billigsten Rollstuhl der Welt“ und das Grundmaterial für eine florierende Recycling-Industrie.

Donnerstag, 3. März 2022, 19 Uhr

Mandala 

D 2012 • 70‘ • FSK 0 • Regie / Montage: Christoph Hübner / Gabriele Vos
Der Film MANDALA von Christoph Hübner und Gabriele Voss zeigt in großer Ruhe und Eindringlichkeit die Entstehung und Zerstörung des bisher weltgrößten Sandmandalas in der Bochumer Jahrhunderthalle zur Ruhrtriennale 2011. Traditionell werden Sandmandalas zu bestimmten rituellen Anlässen in Klöstern gestreut und sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich. "Christoph Hübners Kamera lenkt den Blick des Zuschauers auf subtile Weise in die Tiefe und etabliert eine Art und Weise des Sehens wie ich sie sonst nur aus der Meditation kenne. Dieser meditierende Blick ist ganz und gar fokussiert und dennoch vollkommen entspannt, er ist hoch konzentriert ohne zu fixieren oder selbst fixiert zu sein, er enthält sich jeder Manipulation und jeglichen Kommentars und ist dennoch oder gerade deshalb ein zutiefst teilnahmsvoller Blick. Er bleibt so nah am Geschehen des "Mandala", vertieft sich und seine Kamera so tief in dieses Abbild von "Werden und Vergehen", daß er schließlich vom Betrachter zum Teilnehmer, vom Zeugen zum Protagonisten wird. Sein Blick bleibt im allerbesten Sinne dokumentarisch und ist doch, und das ist das Entscheidende, ein zutiefst inspirierter Blick, durchtränkt vom Verstehen der geistigen Essenz der "Mandala"-Praxis. Im Buddhismus gibt es das wunderbare Bild vom "leeren Spiegel", der die Dinge und Phänomene unverändert und unkommentiert in sich aufnimmt, der ihnen den Raum gibt, in ihrer reinen Form einfach sie selbst sein zu können. Christoph Hübners Kamera ist ein solcher Spiegel und der "Mandala"-Film der Beweis, daß ein wirklich guter Dokumentar-Film im Grunde immer auch ein Kunstwerk ist.“ Willy Decker (Intendant RuhrTriennale 2009-2011)