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Adolf Feulner

Generaldirektor der kunstgewerblichen Sammlungen

Zum 1. Februar 1938 trat Adolf Feulner (1884–1945) sein Amt als Generaldirektor der kunstgewerblichen Sammlungen in Köln an. Mit Feulner hatte die Stadt einen erfahrenen, wissenschaftlich hochangesehenen und mit Museen, Kunsthandel und Sammlern bestens vernetzten Kunsthistoriker berufen, um künftig in seiner Position die Oberleitung des Kunstgewerbe-Museums, des Museums für Ostasiatische Kunst und des Schnütgen-Museums zu vereinen.

Feulner stammte aus einer Lehrerfamilie aus Schwabhausen bei Dachau. Seine berufliche Laufbahn hatte er nach dem Studium in München in der Bayerischen Denkmalpflege begonnen, 1919 wurde er Konservator am neugegründeten Residenzmuseum in München. Zum Hauptkonservator aufgestiegen, bewarb er sich 1930 nach Frankfurt am Main. Dort leitete er das Historische Museum und das Kunstgewerbemuseum der Stadt. In seiner wissenschaftlichen Arbeit war er unter anderem auf die Kunst des Barock spezialisiert und verfasste grundlegende Publikationen zur Geschichte des Möbels (1927), zu Frankfurter Fayencen (1935) und zur Geschichte der deutschen Plastik (posthum 1953).

Die Kölner Kulturverwaltung hatte zunächst vorgesehen, Adolf Feulner die Direktion des Schnütgen-Museums zu übertragen. Feulner wollte seine Stelle als Leiter von zwei Museen in Frankfurt jedoch nicht aufgeben. Daraufhin bot ihm der Kölner Oberbürgermeister Karl Georg Schmidt (1904–1940) den Posten des Generaldirektors der kunstgewerblichen Sammlungen in Köln an. Diese Position wurde für Feulner neu geschaffen, die Zeit dafür erschien günstig: Seit der erste Direktor des Schnütgen-Museum Fritz Witte im März 1937 verstorben war, war seine Stelle unbesetzt geblieben. Auch die Leitung des Museums für Ostasiatische Kunst war vakant, nachdem die Stifterin Frieda Fischer (1874–1945), die der Sammlung seit 1914 vorgestanden hatte, 1937 aus ihrem Amt vertrieben worden war, weil sie in zweiter Ehe mit dem jüdischen Juristen Alfred Ludwig Wieruszowski verheiratet war. Nur das Kölner Kunstgewer-be-Museum verfügte zurzeit der Berufung Feulners über einen Direktor, den aus Berlin stammenden Kunsthistoriker Rudolf Verres (1898–1945). Die hauseigenen Aufgaben lagen für das das Schnütgen-Museum und das Museum für Ostasiatische Kunst bei deren wissen-schaftlichen Mitarbeitern, bei Hermann Schnitzler (1905–1976) und Werner Speiser (1908–1965). Adolf Feulner oblag als Generaldirektor die übergeordnete Leitung dieser kunstgewerblichen Sammlungen und ihrer Mitarbeiter.

Adolf Feulners Rolle innerhalb der Kölner Museumsverwaltung

Feulners Aufgaben in Köln beschränkten sich nicht auf die Leitung der kunstgewerblichen Sammlungen. Vielmehr versprach sich die Stadt von dem erfahrenen Museumsmann, der mit dem Antritt seiner Stelle in Köln in die NSDAP eingetreten war, neue Impulse für eine Reorganisation der Kölner Museen. Bestrebungen für eine Neuordnung der städtischen Sammlungen, ihrer Gliederung und Aufgabenfelder, hatte es in Köln seit dem Ende des Ersten Weltkriegs wiederholt gegeben. 1925 hatte Oberbürgermeister Konrad Adenauer das Rheinische Museum gegründet, dessen Realisierung sich bis in die 1930er Jahre hinzog. Eine offizielle Eröffnung fand nach mehreren Konzeptanpassungen und einer Umbenennung in Haus der Rheinischen Heimat erst 1936 statt. Die anderen Kölner Museen hatten Teile ihrer Bestände an das Rheinische Museum abgeben müssen, besonders betroffen war neben dem Historischen Museum das Kunstgewerbe-Museum. Mit dem Auszug der Sammlung Schnütgen, die bis dahin eine Abteilung des Kunstgewerbe-Museums gewesen war, hatte das Museum zudem nahezu seine gesamten mittelalterlichen Bestände verloren: Das Schnütgen-Museum erhielt zu seiner Gründung auch die mittelalterlichen Altbestände des Kunstgewerbe-Museums.

Für Oberbürgermeister Schmidt sollte Feulner ein neues Konzept für die Aufwertung und Restrukturierung der Kölner Museumslandschaft vorlegen. Dieser Aufgabe nahm sich der neue Generaldirektor gleich zu Beginn seiner Amtszeit an und stellte seinen Plan anlässlich seiner Antrittsrede am 7. März 1938 im Kölner Rathaus vor. Die dort skizzierten Eckpunkte sahen die vollständige Eingliederung des Historischen Museums in das Haus der Rheinischen Heimat vor und einen Neubau für das Wallraf-Richartz-Museum, aus dem die umfangreiche Römisch-Germanische Abteilung als eigenständiges Haus herausgelöst werden sollte. Langfristig wollte er das Kunstgewerbe-Museum erneut mit dem Schnütgen-Museum verschmelzen, zu einem neuen Museum für Kunstgewerbe und Skulptur, das Feulner sich in der Nachbarschaft des Domes und des Diözesanmuseums vorstellte.

Adolf Feulner arbeitete in Köln zudem ein Konzept für eine Generaldirektion über die städtischen Museen aus. Dem neu geschaffenen Gremium gehörten der amtierende Kulturdezernent Dr. Ludwig als Vorsitzender, Adolf Feulner mit dem Titel des Generaldirektors als Ludwigs Vertreter sowie zwei weitere Museumsdirektoren an. Die Generaldirektion trat im Abstand von etwa zwei Monaten zusammen, um über Fragen wie geplante Ausstellungen, Personalien und vor allem die Neuerwerbungen der Museen zu beraten. Sie nahm ihre Arbeit im Sommer 1938 auf und bestand in dieser Form bis in die ersten Kriegsjahre hinein. Das zentrale Projekt einer Neuordnung der Kölner Museen konnte Adolf Feulner nicht lange verfolgen. Eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt musste er sich, wie die anderen Museumsmitarbeiter*innen in Köln, angesichts des bevorstehenden Krieges um die Evakuierung der ihm anvertrauten Sammlungen kümmern.

Das Kunstgewerbe-Museum unter Adolf Feulner

Als Feulner die Oberleitung des Kunstgewerbe-Museums übernahm, feierte das 1888 gegründete Museum sein 50jähriges Bestehen. Die Planung für die im Sommer gezeigte Jubiläumsausstellung „Kölner Fayence-Sammler stellen aus“ war vermutlich bereits in vollem Gange. Somit beließ Feulner die Umsetzung dieses Projekts in den Händen von Direktor Rudolf Verres. Da Verres in den vergangenen Jahren die Dauerausstellung des Museums neu eingerichtet hatte, wurden auch dort keine Veränderungen vorgenommen, an denen sich Feulners Vorstellungen von der Präsentation der kunstgewerblichen Sammlung ablesen lassen. Inwieweit er an Konzeptionen zu geplanten Sonderausstellungen, etwa eine Möbelausstellung für das Jahr 1940, mitwirkte, ist bisher unklar. Durch den Krieg entfielen größere Ausstellungen nach 1938. Sichtbar wurde Feulners Einfluss auf das Kunstgewerbe-Museum vor allem in den Erwerbungen der folgenden Jahre. Vor seinem Amtsantritt war seit 1934 Rudolf Verres für Ankäufe zuständig gewesen. Unter Verres‘ Verantwortung fanden Erwerbungen aus dem überregionalen Kunsthandel vor allem in Berlin statt, was damit zusammenhing, dass er aus seiner Tätigkeit für die Staatlichen Museen in Berlin vor 1934 und aufgrund von familiären Beziehungen zu Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus gute Kontakte zum Berliner Kunstmarkt pflegte. Verres kaufte in Berlin auf Versteigerungen bei Lepke und Paul Graupe sowie bei Händlern wie Gustav Cramer, Ferdinand Knapp, Hans Linz und Kahlert & Sohn. Unter Feulner verlagerten sich die Handelsbeziehungen auch nach Süddeutschland. Kurz nach sei-nem Dienstantritt in Köln nahm Feulner Verhandlungen mit der Münchener Kunsthandlung Julius Böhler auf, von der das Kunstgewerbe-Museum 1938 und 1939 mehrere Objekte erwarb, insbesondere Möbel. Auch für das Schnütgen-Museum handelte Feulner mehrere Ankäufe mit Böhler aus. Seine Kontakte zu dem Unternehmen, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den größten Kunsthandlungen im deutschsprachigen Raum zählte, gingen wohl schon auf Feulners Zeit am Münchener Residenzmuseum zurück. Zu den Münchener Kunsthändlern, von denen das Kunstgewerbe-Museum in diesen Jahren Ankäufe tätigte, zählen auch Wilhelm Böhler, Konrad Riggauer und Eugen Brüschwiler. Der Kölner Kunsthandel blieb daneben eine wichtige Quelle für Erwerbungen des Museums, es kaufte Objekte unter anderem von Hermann Sonnthal, Albert Loevenich, Elfriede Langeloh, Josef Robert Becker, Viktor Exinger, Alois Faust und vom Kunsthaus Lempertz. Für das komplizierte Tauschgeschäft um das Gemälde „Maria mit dem Kinde“ von Lucas Cranach d. Ä., das die Stadt Köln Hermann Göring (1893–1946) zur Taufe seiner Tochter schenkte, waren Feulners Beziehungen ebenfalls ausschlaggebend. Er brachte den Kunsthändler Theodor Fischer aus Luzern ins Spiel, von dem das Kunstgewerbe-Museum schließlich einen kostbaren Deckelbecher als Geschenk erhielt.

Auch in Sammlerkreisen kannte sich Feulner bestens aus. Im Sommer 1938 machte sich der Fayence-Kenner Feulner auf den Weg nach Nürnberg, um die Sammlung des jüdischen Unternehmers Igo Levi (1887 – 1961) zu begutachten. Er nahm an, dass diese hochkarätige Privatsammlung bald auf den Markt kommen würde, und sollte mit dieser Einschätzung Recht behalten. Die erhaltenen Aktenbestände zu seiner Generaldirektion belegen, dass Feulner sich seiner neuen Aufgabe in Köln mit Elan widmete. Dazu gehörte auch, dass er die seit 1938 aufgrund der NS-Verfolgung verstärkt auf den Kunstmarkt kommenden Kunstbestände jüdischer Sammler und Kunsthändler als Chance zum Ausbau und zur Aufwertung der Kölner Museumssammlungen sah. Die erhaltenen Schriftstücke zeigen keine Bedenken bei Feulner, enteignete und unter Druck veräußerte Kulturgüter zu den „günstigen Konditionen“, die sich den Museen im Reich durch den zunehmend steigenden Verfolgungsdruck auf die rechtmäßigen Eigentümer*innen boten, zu erwerben.

Aus den Kriegsjahren sind nur wenige Quellen zu Feulner überliefert. Im Oktober 1939 wurde er zum Honorarprofessor am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln berufen und war dort bis 1944 tätig. Für die kunstgewerblichen Sammlungen oblag ihm die Betreuung der ausgelagerten Kunstwerke. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Feulner Aufgaben als kunstwissenschaftlicher Gutachter, als Sachverständiger für Ankäufe von Kulturgut im Regierungsbezirk Köln und, wie bereits im Ersten Weltkrieg, im Kunstschutz übernahm.

Im Juni 1943 wurde das Gebäude des Kunstgewebe-Museums bei Bombenangriffen auf Köln schwer beschädigt. Nachdem auch seine private Wohnung zerstört worden war, verließ Adolf Feulner mit seiner Familie wie Tausende andere Kölner die Stadt. Nach Stationen in Bad Godesberg und Würzburg kam er im Winter 1944 auf Schloss Wiesentheid in Unterfranken unter. Im Schloss der Grafenfamilie von Schönborn waren zu dieser Zeit auch weitere Personen aus der Kölner Kunst- und Museumsszene wohnhaft. Nach Kriegsende versuchte Feulner, seine Stellung als Generaldirektor in Köln wiederzuerlangen. Im Mai 1945 war sein Beamtenverhältnis automatisch aufgelöst worden. Seine Mitgliedschaft in der NSDAP machte es ihm unter der britischen Militärregierung vorerst unmöglich, in den städtischen Dienst zurückzukehren. Diese Nachricht dürfte dazu beigetragen haben, dass sich Adolf Feulner in einer depressiven Phase im August 1945 das Leben nahm. Feulner hatte seit spätestens 1932 an einer wiederkehrenden depressiven Erkrankung gelitten, mit der er wiederholt in längerer stationär Behandlung gewesen war. Nach Prüfung der zuständigen Stellen der Militärregierung, die auch die politische Einstellung untersuchte und entlastende Stellungnahmen in Betracht zog, wurde Feulner posthum als unbedenklich eingestuft. Seine Witwe und die noch minderjährigen Kinder erhielten die vollen Versorgungsbezüge der Stadt Köln.

Im Rahmen der Provenienzforschung im MAKK wird derzeit intensiv zur Person Adolf Feulner und seiner Rolle als Kölner Generaldirektor geforscht. Feulner war von 1938 bis 1945 in museumsübergreifende Fragen der Kulturverwaltung und insbesondere in die Erwerbung von Kulturgut für die Kölner Museen und die Stadt involviert. Durch seine weitreichenden Kontakte zu Museen und dem Kunstmarkt ist er als Akteur auch für die überregionale Forschung von Bedeutung.