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Liebes- und Freundschaftsringe

Die Corona-Pandemie zwingt uns alle zu mehr Distanz. Auch zu unseren Liebsten. Freundschaften und soziale Beziehungen zu pflegen, den Kontakt zu halten, auch wenn wir uns nicht besuchen können, ist uns gerade jetzt besonders wichtig. Wir telefonieren, schreiben E-Mails, nutzen den Messenger, schicken Fotos und Videos. An dieser Stelle stellen wir Schmuck aus der Sammlung des Museums vor, der auf besondere Weise eine Verbundenheit zwischen zwei Menschen symbolisiert: Liebes- und Freundschaftsringe.

 „FIDES VITORIA N(OST)RA“ (Die Treue ist unser Sieg) ist in diesem Ring aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu lesen. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen Verlobungsring. Mehr noch als die Inschrift weisen die beiden sich greifenden rechten Hände auf dem Ringkopf darauf hin.

Das als „mani in fede“ (italienisch für „Hände im Glauben“) bezeichnete Motiv geht auf den römischen Brauch zurück, die Eheschließung mit dem Reichen der Hände zu besiegeln. Es ist daher auch als „dextrarum iunctio“ (lateinisch für „die verbundenen rechten Hände“) bekannt. Die gesetzlich geregelte Eheschließung, wie wir sie heute kennen, hat sich erst Mitte des 18. Jahrhunderts herausgebildet. Vorher war die Trauungszeremonie von zum Teil sehr unterschiedlichen, lokalen Bräuchen bestimmt. Um das gegenseitige Einvernehmen auszudrücken, waren bestimmte Symbole und Rituale wie die verbundenen Hände oder das Anstecken eines Ringes von großer Bedeutung. So genannte „Fede-Ringe“ wurden von der Antike bis in das 19. Jahrhundert hinein als Liebes- oder Verlobungsringe überreicht.

Die Zeit der Aufklärung ermöglichte es den Menschen ihr soziales Umfeld freier zu wählen als dies zuvor möglich war. Freundschaften wurden wichtiger und es entwickelte sich ein regelrechter Freundschaftskult, der in der gesamten Biedermeierzeit gepflegt wurde und der sich auch in der Gestaltung von Fingerringen widerspiegelt.

Auf den Ringköpfen dieser beiden um 1830–1840 in Deutschland gefertigten Ringe befindet sich jeweils ein aufklappbares Miniaturkästchen. Darin wurden vermutlich Haarlocken von geliebten Personen als Erinnerungsstücke verwahrt.

Auf dem Kästchen des linken Ringes ist vor blauem Hintergrund ein Eichhörnchen auf einer grünen Rasenfläche zu sehen. Es hält eine Nuss in seinen Vorderpfoten. Vermutlich nimmt die Darstellung Bezug auf ein nicht gedeutetes Familienwappen.

Den anderen Ring ziert ein weißer Hund auf grüner Rasenfläche vor einem schwarzen Hintergrund. Der Hund, als Symbol der Treue, blickt auf einen ovalen, mit kleinen Blättern umkränzten Schild, der von einem Herz ausgefüllt wird.

Der Größe nach zu urteilen, wurde dieser Ring wahrscheinlich von einem Mann getragen. Erst seit dem 13. Jahrhundert zeigten sich Männer mit Liebesringen als Zeichen ihres Versprechens. Zuvor war die Verbundenheit einseitig. Nur die Braut verpflichtete sich mit der Annahme des Verlobungsrings zur Treue gegenüber ihrem zukünftigen Ehemann.

Auf der kantigen Ringschiene ist die Inschrift „AVLTRE NE VEVLT“ zu lesen („Eine/n andere/n will er/sie nicht“). Französisch galt schon im Mittelalter als die Sprache der Liebe und wurde auch in anderen Ländern von der gebildeten Schicht gesprochen und verstanden. Das „B“ steht vermutlich für den Namen der angebeteten Person.

Der Ring ist im 14. oder 15. Jahrhundert gefertigt worden, als sich schlichte, mit Liebesschwüren gravierte Ringe großer Beliebtheit erfreuten. Die ziselierte Blattranke im Inneren des Buchstabens deutet darauf hin, dass dieser erst nachträglich angefügt worden ist.

Dieser Ring wurde Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien gefertigt. Die schmale Ringschiene wird oben von einem flach liegenden Herz unterbrochen. Aus diesem wächst ein Pinienzapfen, an dem ein unbekleidetes, vollplastisch ausgestaltetes Paar lagert. Reste von Email lassen die ursprüngliche Farbigkeit erahnen. Das Herz war rot, der Pinienzapfen und die Kopfbedeckung der männlichen Figur grün emailliert.

Die Anordnung der Figuren geht auf Michelangelo zurück, der zwischen 1525 und 1531 als Bildhauer eine der Medici-Kapellen San Lorenzo in Florenz mit lagernden Allegorien ausgestattet hatte.

Die Pinie symbolisiert im Christentum den Lebensbaum. Der Pinienzapfen steht für die Auferstehung und die Unsterblichkeit. Spätestes die Inschrift in der Ringschiene „PER TVA BELTA“ („Für deine Schönheit“) macht deutlich, dass dieser Liebesring eine innige Bindung zwischen zwei Menschen symbolisiert.

Ein Rubin und ein Smaragd im Tafelschliff sind hier in einer hohen, rechteckigen Kastenfassung eingefasst. Dieser um 1600 sehr verbreitete Ringtypus wurde gerne als Zwillingsring, also als ein aus zwei Teilen bestehender Ring, gefertigt. Zur Verlobung konnte jeder Partner einen Ringteil mit einem Stein tragen. Bei der Hochzeit wurden beide zusammengefügt und bildeten ein Ganzes. Den verschiedenen Edelsteinen wurden unterschiedliche Symboliken zugeschrieben. So standen zum Beispiel der rote Rubin für die Liebe, der blaue Saphir für Treue, der grüne Smaragd für Jungfräulichkeit und der Diamant für Beständigkeit. Unser Ring, der aus einem Guss besteht, symbolisiert demnach die jungfräuliche Liebe.

Seit dem frühen Mittelalter verwiesen Totenkopfdarstellungen in der Christlichen Kunst auf die menschliche Eitelkeit sowie die Vergänglichkeit der Menschen und ihrer Umwelt. Der lateinische Ausdruck „memento mori“ beschreibt Darstellungen wie diese und bedeutet soviel wie „Sei Dir der Sterblichkeit bewusst“.

Der weiß emaillierte Schädel auf diesem filigranen Ring wird zu beiden Seiten von kleinen blauen Blüten flankiert. Sie werden als Vergissmeinnicht gedeutet. Zusammen mit dem Totenkopf warnen sie vor der Vergänglichkeit, die auch vor der Liebe nicht Halt macht.

Menento-mori-Ringe waren besonders im 17. Jahrhundert beliebt. Sie symbolisierten die Verbindung zu geliebten verstorbenen oder lebenden Personen.

Unser Ring wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gefertigt.

Dieser Ring besteht aus zwei im Profil halbrunden, ineinander gehängten Reifen mit jeweils einer Hand, die übereinander geschoben ineinander greifen und das „dextrarum iunctio“ ergeben. Nur im geöffneten Zustand ist ein gravierter Bibelvers zu lesen: „WAS GIT ZUSAMEN GEFIGET HAT / DAS SOL DER MENSCH NIT SCHEIDEN“ („Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“; Mt 19,6 / Mk 10,9).

Die sogenannten Zwillings- oder „Gimmel-Ringe“ (lat. gemellus = Zwilling) kamen im 16. Jahrhundert auf und versinnbildlichen die Symbolik der Liebesringe auf besondere Weise. Den ersten Ring dieser Art trug angeblich Katharina von Bora bei ihrer Vermählung mit Martin Luther im

Jahr 1525, woraus sich auch die Bezeichnung als „Luther-Ring“ ergab. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Zwillingsringe in abgewandelten Formen und mit verschiedenen gravierten Sprüchen und Bibelversen gerne als Liebesringe verwendet. Sie konnten aus zwei oder mehreren Reifen zusammengesetzt sein und als Ringkopf die ineinander greifenden Hände oder andere Liebessymbole wie zum Beispiel Herzen aufweisen. In Erinnerung an das Reformationsjubiläum 1817 wurde der Luther-Ring das gesamte 19. Jahrhundert in großer Anzahl hergestellt. In dieser Zeit ist auch unser Ring entstanden.