EN | DE

Becher mit Destillationsvorgang, schreitendem Tod und spielendem Kind

Dr. Patricia Brattig

Mitteldeutschland, datiert 1642
Glas mit Email-Malerei
H 10 cm
Schenkung Dr. Wilhelm Clemens, München
Inv. Nr. F 518

Der Becher mit glattem Fußring und eingestochenem Boden besitzt eine konische, oben dreikantige Wandung, die unterhalb der Randlippe ein weißes Wellenband zeigt. Drei Darstellungen in farbiger Email-Malerei zieren das farblose Glas: Der schreitende Tod als Gerippe mit Sense und ablaufender Sanduhr; ein auf einem Steckenpferd reitendes Kind, das ein Windrädchen in der Hand hält und von einem springenden Böckchen begleitet wird; schließlich eine Retorte über einem Brennofen mit einer Destillationsszene, daneben eine vertikale Maßeinteilung. Unterhalb der Darstellungen findet sich eine Aufschrift: „Wen aber verschmachst, / so nimt dich der / Tott wo der Grass, / wachßt, / Nimßt davon ein / Gesundt wirßt, / wie ein kind sein / ANNO 1•6•4•2“. Der Becher ist aufgrund der selten anzutreffenden und frühen Darstellung eines Destillationsvorgangs von besonderem Interesse und von hoher Bedeutung.

Alkohol spielte in der Heilmittelkunde einstmals eine wichtige Rolle und wurde als „aqua vitae“ (‚Lebenswasser‘) bezeichnet; die Darstellung bezieht sich auf Branntwein als Medizin, worauf auch die Maßeinteilung hindeutet. Die Einnahme des Elixiers bewahrt – so die Aufschrift – Jugend und Gesundheit; das Verschmähen des heilsamen Trunkes hingegen führt zum allzu frühen Tode.