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Artist Meets Archive - Rosângela Rennó und die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln

Eaux des Colonies [les origines]

22. Mai bis 4. Juli 2021

Die Ausstellung der brasilianische Künstlerin Rosângela Rennó findet im Rahmen des „Artist Meets Archive“ Residency-Programms der Internationalen Photoszene Köln statt. Das Programm bringt bereits in der zweiten Ausgabe international agierende Künstler*innen mit fotografischen Archiven in Verbindung.

Als eingeladene Künstlerin setzte sich Rosângela Rennó mit der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln auseinander. Sie folgt der Erfolgsgeschichte des Kölner Originals Eau de Cologne und stellt dabei Fragen nach den Leerstellen der konventionellen Geschichtsschreibung. Ein Zeitstrahl soll die Entstehung des "Originals" und seiner zahllosen Plagiate, Aneignungen und Neuinterpretationen rekapitulieren. Eine Weltkarte aus ungefähr 150 Flakons bildet die territoriale Ausbreitung des Eau des Colognes auf der ganzen Welt ab. In diesem Archiv sind die Lücken und die Informationen zweifelhafter Herkunft ebenso wichtig wie die Dokumente, die bestimmte Fakten belegen.

Rosângela Rennó (* 1962 in Belo Horizonte / Brasilien) lebt und arbeitet in Rio de Janeiro. Rennó studierte Bildende Kunst und Architektur an der Guignard University of Art of Minas Gerais in Belo Horizonte. Sie promovierte an der School of Communications and Arts in São Paulo. 

Die Arbeit der brasilianischen Künstlerin Rôsangela Rennó ist geprägt durch den Umgang mit ausrangierten Bildern, die sie auf  Flohmärkten auf der ganzen Welt findet, oder vorgefundenem Bildmaterial aus privaten und öffentlichen Archiven oder Zeitungen. Rennó untersucht in ihrer langjährigen künstlerischen Arbeit die Beziehung zwischen Erinnerung und Vergessen. Dabei setzt sie sich kritisch mit der Vergangenheit Brasiliens auseinander und arbeitet investigativ verborgene Informationen aus den Bildern volkstümlicher Fotografiesammlungen heraus.

Durch die Aneignung gefundener Bilder arbeitet sie gegen das Vergessen an. So verwandelt sie kleine Flohmarktabzüge in große museale Prints. Sie überführt einen Bestand an Bildern in komplexe Installationen, teilweise als Projektionen oder in Verbindung mit Film. Damit schafft sie nicht nur eine Begegnung mit anachronistischen Bildträgern und historischen Artefakten, sondern legt neue Lesarten und alternative Narrationen frei. 

"Seit den 1980er Jahren fühle ich mich zu gefundenen Bildern und etwas später zu Archivbildern hingezogen, weil ich immer dachte, dass ich durch diese Art von Bildern eine Verbindung zu den Menschen und zur Menschheit herstellen könnte. Besonders in Brasilien denke ich, dass unsere Geschichte durch den Mangel an Informationen und Bildern geschrieben wird und nicht durch die Momenten, die gut dokumentiert und von den Menschen erzählt werden."
Rosângela Rennó aus dem Video: Rosângela Rennó - am Rio Montevideo, The Photographers Gallery, 2016